Als Kinder geflüchteter Eltern kamen Scharajeg und Paco nach Deutschland. Jetzt betreiben sie eine Tanzschule in der Überseestadt, in der Kinder und Jugendliche viel mehr lernen als nur das Tanzen.

Wenn Scharajeg und Paco Veliu ihre Gäste “willkommen” heißen, dann ist das nicht nur so dahingesagt. Die beiden begrüßen die Besucherinnen und Besucher ihrer Tanzschule so herzlich, dass man sich sofort wohl fühlt. Gastfreundschaft ist ein hohes Gut für die beiden. Denn das Ehepaar weiß aus eigener Erfahrung, wie wertvoll es ist, sich an einem fremden Ort willkommen zu fühlen. Paco floh 1992 mit seinen Eltern aus dem Kosovo nach Deutschland. Da war er vier Jahre alt. Scharajeg kam 1989 in einem deutschen Flüchtlingsheim zur Welt, nachdem ihre Eltern aus dem Iran geflüchtet waren.

Tanzen als Anker

„Für uns war es sehr schwer in Deutschland anzukommen”, erzählt die 31-Jährige. “Wir konnten die Sprache nicht, wir kannten die Kultur nicht, das Schulsystem, all das war eine Überforderung für uns.” Dann entdeckten die beiden das Tanzen für sich: sie Hip Hop, er Breakdance. “Für uns war das Tanzen ein Anker, ein Ort, an dem wir uns akzeptiert fühlten”, sagt Scharajeg. “Und dieses Gefühl möchten wir an Kinder und Jugendliche weitergeben.” Ihr Mann fügt hinzu: “Als geflüchtetes Kind konnte ich hier frei aufwachsen und auch das möchte ich zurückgeben: dieses Gefühl von Sicherheit, das mir Bremen damals gegeben hat.”

Neue Vibes im alten Zollamt

So kam das Paar auf die Idee, eine Tanzschule in Bremen zu gründen, die sich von anderen unterscheidet. Die beiden haben einen Ort geschaffen, der vor allem jungen Menschen beim Ankommen helfen soll – ob in Deutschland oder bei sich selbst. Dem Gebäude haben sie den Spitznamen “das Schiff” verpasst, weil der markante Bau von außen ein bisschen wie eines aussieht. Offiziell haben sie ihre Tanzschule “Dance Industry” getauft – auch weil der Industriecharme hier, wo früher das alte Zollamt untergebracht war, noch immer zu spüren ist.

Von Yoga bis Hip Hop

Zum Angebot der Dance Industry gehören Power-Fitness, Hip Hop, Yoga und Kurse für junge Mütter und Väter. Vormittags betreut das Ehepaar soziale Projekte, organisiert Angebote für Kitas, Schulklassen oder Geflüchtete. Am Nachmittag finden dann Kurse für Mitglieder statt. Auch Tanzkurse für RollstuhlfahrerInnen bietet das Paar an. Dafür haben die jungen Eltern sogar eine Rollstuhlrampe am Eingang einbauen lassen. Die Botschaft ist klar: “Hier kann jeder Tanzen lernen, auch wenn es sich schwierig anfühlen sollte, wir finden einen Weg”, sagt Scharajeg.

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