Eröffnet ein neues Restaurant in Bremen, erfährt er als einer der ersten davon: Temi Tesfay ist Bremens bekanntester Gastroblogger („Ein bisschen Bremen“) und Restaurantkritiker für den Weser Kurier. Wir haben bei dem 30-Jährigen nachgefragt: Wo schmeckt es in Bremen besonders gut? Welches Viertel ist kulinarisch im Kommen? Und was soll eigentlich der Hype um den Rollo? 

Rollo von Tandour in Bremen

Für alle, die neu in Bremen sind und das Vergnügen noch nicht hatten: Beim Rollo handelt es sich um eine mit Fleisch oder vegetarisch gefüllte Fladenbrotrolle. Was sagst du als Gastro-Experte zum Rollo-Hype in Bremen?
Temi: Es gibt Gerichte, die vor allem wegen ihrer spannenden Story zum Kult geworden sind. Und die Geschichte vom Rollo in Bremen ist simpel, aber fast genial. Vor 40 Jahren war Gyros-Pita schon sehr verbreitet. Dann kam ein persischer Gastronom auf die Idee, die Pita gegen gerolltes Fladenbrot zu tauschen und zusammen mit einem Haufen sämiger Soßen anzubieten. Und Deutschland ist Soßenland, da stehen die Leute einfach drauf. Er hat also etwas genommen, das die Leute schon kannten, und dem einen Twist gegeben. Und natürlich ziehe ich mir das Ding nachts rein. Nicht mehr so häufig wie früher, aber ich feiere das immer noch.

Rollo isst man meistens nach langen Nächten im Bremer Viertel. Das Viertel ist außerdem bekannt für seine vielen guten Restaurants. Gibt es auch andere Stadtteile, in denen sich kulinarische Entdeckungstouren lohnen?
Ich bin überzeugt, dass du überall was finden kannst. Allein wenn man in die Vahr guckt. Da gibt es einen richtig geilen Afghanen, den ich mal getestet habe. Außerdem hast du dort The Grill, für einige Bremer DER Steakladen in der Stadt. Auch in der Neustadt gibt es gute Läden mit neuen, anspruchsvollen Konzepten. Am spannendsten wird es mittelfristig in der Überseestadt werden. Du solltest abends mal ins Jaya gehen, abends ist der ganze Ort sehr ruhig, aber bei Subry pulsiert das Leben. Außerdem gibt es auf dem Kellogg-Gelände die neue Pizzeria von Manu und daneben die Braumanufaktur, die wirklich cooles Bier macht. Ich bin echt frohen Mutes, dass in den Gebäuden, die dort hochgezogen werden, noch mehr Gastronomien jenseits von 08/15 entstehen. Wenn das passiert, könnte die Überseestadt ein echt nicer Ort zum Essen gehen werden.

Temi Tesfay im Restaurant in Bremen
© EIN BISSCHEN BREMEN

Wie oft gehst du eigentlich Essen?
Lass mich mal überlegen…  Im Schnitt etwa zweimal die Woche für meine Gastrotests und zweimal privat, obwohl Lokalbesuche bei mir natürlich nie ganz privat sind.

Und da vergeht dir nie die Lust am Essen gehen?
Vor zwei Jahren um die Weihnachtszeit hatte ich mal so eine Situation. Da war ich jeden Tag essen, manchmal sogar mehrmals täglich. Das war zu viel. Danach habe ich einen Cut gemacht und entschieden, nur noch zweimal am Tag zu essen. Eine dieser Mahlzeiten muss richtig langweilig sein, am besten Haferflocken oder so. So bewahre ich mir die Freude am Essen gehen.

Welche Küche ist in Bremen denn besonders gut – im Vergleich zu anderen Städten?
Bei der afrikanischen Küche haben wir hier einige gute Konzepte, die es woanders so nicht gibt. Generell kann man sagen: In Bremen zeigen sich die Schönheiten nicht so offensichtlich wie in anderen Städten. Wir haben hier viele Perlen, von denen die meisten nichts wissen. Und ich freue mich, dass der Weser Kurier mir die Möglichkeit gegeben hat, auch den Läden, die nicht so im Fokus der Öffentlichkeit stehen, eine Bühne zu geben.  

Kleiner Ratskeller Bremen
Kleiner Ratskeller © EIN BISSCHEN BREMEN


Stell dir vor, ein Freund aus Berlin ist für nur einen Abend zu Besuch in Bremen und fragt dich nach einem Restauranttipp. Was würdest du ihm empfehlen?
Also ich würde einem Berliner nichts empfehlen, was er aus Berlin besser kennt. Ich würde ihn zur Kontrasterfahrung ins Schnoorviertel oder die Böttcherstraße schicken, am besten zur Grünkohlsaison. Im Kleiner Ratskeller kann man zum Beispiel richtig gut urig norddeutsch essen. Wenn du Bremen erleben willst, dann solltest du diese historische, gediegene Seite der Stadt gesehen haben. Und wenn du dann noch ins Viertel gehst, dann hast du Bremen cool abgesteckt. Da muss man dann Rollo essen. Das ist natürlich klar.


Ihr wollt wissen, wo gerade ein kleiner, feiner Laden neu aufgemacht hat? Oder welche Klassiker die Stadt zu bieten hat? Dann folgt Temi Tesfay mit Ein bisschen Bemen auf Instagram.

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